Fernstudium aus dem Gefängnis

Ein Fernstudium ist die ideale Weiterbildungsmöglichkeit für Berufstätige oder mobilitätseingeschränkte Personen, denn es kann zeitlich flexibel und räumlich unabhängig gestaltet werden. Aus diesem Grund bieten Fernschulen immer häufiger Kurse für eine besondere Zielgruppe an, die von einem Fernstudium in hohem Maße profitieren kann: Insassen einer JVA.

 

Mit dem Fernkurs gegen die Isolation

Ob als Resozialisierungsmaßnahme, aus persönlichem Interesse oder zum Zeitvertreib: Von einem Fernstudium kann jede inhaftierte Person profitieren. Wenngleich eine Entlassung aus der Haft erst in vielen Jahren bevorsteht oder nicht vorgesehen ist, bietet ein Studium den Anschluss zur Welt und kann die Stunden in der Zelle mit einer positiven Tätigkeit füllen.

Ein Fernstudium eröffnet die Chance der persönlichen Weiterentwicklung, ein höherer Bildungsgrad senkt das Rückfallrisiko und steigert das Selbstbewusstsein. Viele Leiter einer JVA unterstützen inzwischen die Weiterbildung von Insassen durch ein Fernstudium als sinnvolle Alternative zu den gängigen Umschulungen zum Koch oder Friseur. Derzeit absolvieren etwa 200 Häftlinge in Deutschland ein Fernstudium.

 

Studiengänge und -ablauf

Grundsätzlich stehen auch Inhaftierten alle Studienmöglichkeiten der Fernuniversitäten und somit die gesamte thematische Bandbreite offen. So können klassische Fächer wie Mathematik, Rechtswissenschaften oder Psychologie ebenso belegt werden wie unbekanntere Studiengänge, z. B. Mediendidaktik oder Bildungswissenschaft. Je nach Vorbildung und Ambition kann ein Bachelor- oder Masterabschluss sowie eine Promotion angestrebt werden. Natürlich können auch Einzelkurse und Sprachen als Fernmaßnahmen belegt werden.

Der Studienablauf hängt wesentlich von den Bedingungen in der JVA und den Haftbedingungen ab. Die flexible Gestaltung von Fernkursen kommt Häftlingen zugute: Alle Kurse und Studiengänge sind pädagogisch schriftlich ausgearbeitet und können ohne Betreuung oder Lehrperson absolviert werden. Die Unterlagen werden per Post oder E-Mail zugestellt. Übungsaufgaben werden ebenfalls korrigiert zurück geschickt. Des Weiteren ermöglicht die freie Zeiteinteilung die Anpassung des Studiums an den Gefängnisalltag und dessen Abläufe.

Steht ein Internetzugang zur Verfügung, so können auch Häftlinge auf eine individuelle Betreuung zurückgreifen, denn viele Fernhochschulen bieten online den Zugang zu Lehrmaterialien und den direkten Kontakt zu Dozenten an. Für Insassen, denen Ausgang gewährt wird, kann sogar ein Fernstudium mit Präsenzseminaren in Frage kommen.

 

Voraussetzungen, Zeitaufwand und Finanzierung

Die Fernuniversität Hagen bietet spezielle Informationen für studieninteressierte Häftlinge an.
Der erste Ansprechpartner für Interessenten ist der Pädagogische Dienst der Haftanstalt. Es gibt keine einheitlichen Regelungen, die im Fall eines Fernstudiums zu verfahren ist. Entscheidungen darüber obliegen in der Regel dem Leiter der jeweiligen JVA. Der Pädagogische Dienst kann über die Zulassung eines Fernstudiums durch die JVA informieren und sich um Formalitäten wie den Zugang zu einem internetfähigen Computer kümmern, der meist Voraussetzung für ein Fernstudium ist. An den Hochschulen selbst können sich die Häftlinge an den Studienberater oder die Studentenbetreuung wenden. Dort können die allgemeinen und hochschulspezifischen Voraussetzungen für das anvisierte Fernstudium erfragt werden.

Der Zeitaufwand hängt vom gewählten Studienfach ab. Doch es gilt der Vorteil des Fernstudiums, das eine freie Zeiteinteilung und das Lernen nach eigenem Tempo ermöglicht. Ein Bachelor-Studium im Fernkurs und Teilzeit absolviert dauert durchschnittlich 12 Semester, also 6 Jahre. Ausbildungen im Fernkurs, die mit einem Kammerabschluss wie der IHK enden, können in einem kürzeren Zeitraum absolviert werden.

Ein Fernstudium ist gebührenpflichtig. Insassen der JVA können aufgrund ihrer besonderen Bedürftigkeit zu einem ermäßigten Tarif oder umsonst studieren. Teilweise fallen neben den Kursgebühren auch Semestergebühren an, die 2 Mal pro Jahr entrichtet werden müssen. Alle anfallenden Kosten müssen in der Regel vom monatlich verfügbaren Geld durch den Häftling selbst beglichen werden.

 

Herausforderungen beim Fernstudium in der JVA

Um ein Fernstudium in einer JVA (erfolgreich) zu absolvieren, sind besondere Anstrengungen vonnöten. Während einige Gefängnisse bereits über internetfähige Rechner für Häftlinge verfügen, ist dies in anderen Einrichtungen nicht vorgesehen. Ebenso kann das Durchsetzen eines Studiums gegen skeptische Mitarbeiter mit großem Energie- und Organisationsaufwand verbunden sein.

Das Lernen im Alleingang erfordert ein hohes Maß an Disziplin und Engagement. Insbesondere wenn der Austausch mit Kommilitonen und Dozenten fehlt, kann das Studium sehr mühsam und anstrengend sein. Wenn die Haftanstalt das Fernstudium nicht als Beschäftigung anerkennt, muss neben der alltäglichen Arbeit das Studieren in die Freizeit verlegt werden.
Bezüglich der Finanzierung eines Studiums sollten sich Interessierte genau informieren, welche Kosten auf sie zukommen. Neben der Gebühr für den Studiengang können ein Semesterbeitrag, Kosten für Lernmaterial und Prüfungsgebühren anfallen, die im Normalfall durch den Häftling selbst zu tragen sind.

One Reply to “Fernstudium aus dem Gefängnis”

  1. Hallo,
    Ich hätte gerne gewusst, ob man in der JVA Hannover einen Fernstudium erwerben kann?
    es gibt wohl viele JVA s in Hannover, aber in einer ist wohl möglich.
    ich bitte um eine Antwort.

    Vielen Dank!

    Nina

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