University of London

Das Besondere der University of London ist, dass es sich eigentlich um viele mehr oder minder unabhängige Colleges und Institute handelt, die zu einer einzigen Universität zusammengeschlossen sind. Die kleineren Forschungsinstitute und Universitäten arbeiten zwar zusammen, haben aber jeweils eigene Aufnahmekriterien und zusammen mehr als 120.000 Studierende.
Fernstudien haben an der University of London eine lange Tradition: Seit über 150 Jahren ermöglicht es die Universität Studierenden in aller Welt, Kurse vor Ort bei lokalen Institutionen zu besuchen und dennoch über versandtes Lernmaterial und Prüfungen einen Abschluss der University of London zu erwerben. Aktuell hat die Universität etwa 50.000 Fernstudierende weltweit.

Studiengänge an der University of London

Die University of London bietet in ihrem Fernstudienprogramm zahlreiche Studiengänge für Interessierte, Graduierte und Postgraduierte an. Insgesamt sind auf der Internetseite der Universität 84 Studiengänge angegeben, die sich zum Teil für Studienfänger eignen, zum Teil für Graduierte oder Postgraduierte. Die meisten dieser Studiengänge gibt es auf verschiedenem Niveau, je nachdem, ob der Studierende als akademischen Abschluss einen Bachelor, einen Master oder einen anderen Grad erwerben will. Einfache “Diploma”, also Studienzertifikate, werden ebenfalls angeboten. Der zeitliche Rahmen der einzelnen Studiengänge ist relativ flexibel, für Soziologie (Diplom für Graduierte) werden 1 – 5 Jahre angegeben, bei einem Lernaufwand von 4 Modulen. Soziologie für Anfänger (B. Sc. als akademischer Grad) dagegen beinhaltet 12 Module und ist auf die Dauer von 3 – 8 Jahre angelegt. Geowissenschaften mit dem Schwerpunkt Mineralöl gibt es ebenfalls in zwei Varianten: Für den Studienabschluss M. Sc. werden 6 Module und ein Projekt in 2 – 5 Jahren absolviert, das Studium ist mit Kosten von etwa 10.000 Pfund angegeben. Für den Studienabschluss Diplom für Graduierte sind ebenfalls 6 Module in 2 – 5 Jahren vorgesehen, aber die Kosten werden mit eta 8.000 Pfund angegeben. Bei den anderen Studiengängen aus den Fachbereichen Wirtschaft, Naturwissenschaften, Gesellschafts- und Geisteswissenschaften, Politik et cetera ist das Bild ähnlich: Die meisten Studiengänge liegen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden vor, Dauer und Kosten variieren.

Voraussetzungen für ein Fernstudium an der University of London

Je nach Studiengang sind die Voraussetzungen ganz unterschiedlich. Für einen Großteil der Studiengänge wird ein erster akademischer Abschluss (Bachelor oder Diplom) benötigt, für einen weiteren Teil weiterführende Studien (Master). Nur die Studiengänge, die mit dem akademischen Grad des Bachelor enden, können mit einer Hochschulzugangsberechtigung belegt werden. Abgesehen davon sind gute englische Sprachkenntnisse erforderlich, denn das Studienprogramm der University of London ist in englischer Sprache. Ein profundes Interesse am jeweiligen Studienfach und Forschungsgebiet, Disziplin und Engagement sind ebenso vonnöten wie (zumindest bei einigen Studiengängen) bereits vorhandene Grundkenntnisse im zu studierenden Fachbereich – die Internetpräsenz der University of London ist gut ausgebaut und gibt Auskunft, welche Hochschulzugangsberechtigungen international anerkannt werden und welche nicht. Ein Computer mit Internetanschluss ist ebenfalls Voraussetzung für das Fernstudium.

Das Prozedere

Das Prozedere ist relativ einfach: Wer sich für ein Fernstudium der University of London interessiert, kann online erste relevante Informationen erhalten. Ansprechpartner und Kontaktformulare sind ebenfalls online zu finden. Alles weitere wird in der Korrespondenz mit der Universität geregelt: Studienverträge, Lernmaterial und Informationen kommen per Post. Ein Lernportal online unterstützt das Studium.

Abschlüsse nach einem Studium an der University of London

Die University of London hat alle möglichen akademischen Abschlüsse und Grade im Angebot, die international anerkannt sind. Abgesehen davon genießt die Universität dank ihrer langen Tradition einen Ruf, der die entsprechenden Titel und Studien zusätzlich aufwertet – weltweit. Sonderbare Abschlüsse, die außerhalb Großbritanniens unbekannt sind, gibt es nicht.

Zur Webseite der University of London

 

3 Replies to “University of London”

  1. Guten Tag,
    ich war etwas über 3 Jahre Fernstudent der Universität London (nachfolgend: UoL) und habe das Studium erfolgreich beendet. Nebenbei habe ich in Vollzeit gearbeitet. Mein Studiengang war wirtschaftswissenschaftlicher Natur. Die akademische Leitung des Studiengangs (Kursinhalte, Examen, etc) oblag der LSE. Es handelte sich bei meinem Abschluss um einen Bachelor of Science. Gerne möchte ich meine Erfahrungen mit Ihnen und Euch teilen.

    Pluspunkte
    Es handelt sich um einen weltweit anerkanntes, außerordentlich renommiertes Fernstudium (insbesondere wenn man in Kooperation mit der LSE studiert). Ein Abschluss hier ist ein großer Schritt in Richtung Einsetzbarkeit am internationalen Arbeitsmarkt und hilft (eine gute Note vorausgesetzt) generell bei jeglicher Bewerbung. Zudem kann man im Nachgang einen Master absolvieren (Obacht: viele Universitäten setzen dafür allerdings einen mindestens “guten”, dh 2:1, Bachelor-Abschluss an der UoL voraus. Wie schwierig es ist, diesen zu erreichen, schreibe ich in den Contra-Punkten).
    Viele Kursinhalte tragen merklich zur beruflichen Entwicklung bei. Um beispielsweise das Examen in Buchführung mit guter Note zu bestehen, muss man sehr solide Kenntnisse auf diesem Gebiet erwerben, die man dann im wirtschaftswissenschaftlichen Berufsleben nützlich anwenden kann. Zumindest hat man nach Abschluss des Studiums sehr solide Grundkenntnisse in den wichtigsten Fachbereichen und gewinnt so in dem jeweiligen Fachbereich an Kompetenz und Selbstbewusstsein.
    Im Zuge des Studiums verbessert man merklich seine Englischkenntnisse, insbesondere erweitert man sein Vokabular im entsprechenden Fachgebiet erheblich.
    Es gibt eine internationale Abschlussfeier in London mit englischer Klasse – das heisst, man trägt das bekannte “Graduation Academic Dress”, darf seine Urkunde vom Vice-Chancelor der UoL entgegennehmen und fühlt sich dadurch auch noch einmal besonders in seiner Leistung bestätigt. Für manche mag es nebensächlich klingen, mir selbst hat das aber außerordentlich gut gefallen, denn es ist ein Zeichen der Anerkennung.

    Contra-Punkte

    Der größte Contra-Punkt ist ganz klar der Schwierigkeitsgrad, wenn man das Fernstudium neben dem Beruf macht. Wegen des hohen Schwierigkeitsgrads steigt auch die Wahrscheinlichkeit, das Studium mit nicht-guter Note abzuschließen. Mindestens ⅔ des britischen Arbeitsmarktes verlangen jedoch ein sogenanntes “Upper second” zur Einstellung. Diese Note ist im Fernstudium für nebenbei Berufstätige Europäer enorm schwierig zu erreichen und erfordert eine enorm hohe Schmerztoleranz (kurz: viele aufgeopferte Freizeit-Stunden an Wochenenden, Abends und im Urlaub). Man darf sich keinesfalls Illusionen machen. Als ich das Studium begonnen habe, habe ich über ein bereits abgeschlossenes Studium, sehr gute Englischkenntnisse und ein sehr gutes Abitur verfügt (starker 1-er Schnitt). Dennoch würde ich dieses Fernstudium als akademisch herausfordernd und unfassbar kräftezehrend, stellenweise gar frustrierend beschreiben.

    Das hat folgende Gründe:
    Wettbewerbsverzerrung: Die große Mehrheit der UoL Fernstudenten kommt aus 1) Singapur und 2) Indien. Dort werden diese Fernstudiengänge in Vollzeit (!) an sogenannten “Learning Centres” (!) von Tutoren (!) mehrere Stunden pro Wochen (!) mit Extra-Materialien (!) unterrichtet. Will heißen: Bei einer vermutlich leicht relativen Notengebung steht man im direkten Konkurrenzkampf mit Asiaten, die dieses Studium als Präsenzstudium absolvieren.

    Qualität der Lehrmaterialien:
    Inhalt: Die Lernmaterialien der UoL sind im Durchschnitt eher mau. Man erhalt einen sogenannten “Subject Guide” pro Fache mit ca 200-350 Seiten wesentlichen Lehrinhalten. Allerdings sind diese Guides keinesfalls selbsterklärend. Stattdessen muss man sich gerade in Kursen wie Buchführung, Mathe oder Statistik mühsam Youtube-Tutorials und Sekundärliteratur zusammenklauben, um die Lerninhalte zu verstehen. Einige meiner europäischen Kommilitonen haben zudem Unterricht bei Tutoren in Indien etc über Skype genommen. Das hilft etwas, aber es bleibt ein sehr, sehr anstrengendes Unterfangen, sich die Inhalte selbst beizubringen. Außerdem sind einige Subject Guides in qualitativen Fächern wirklich “nebulös” geschrieben – es ist nicht klar, was der Autor sagen möchte und was essentieller Lerninhalt ist. Es gibt zwar Online-Foren für jedes Fach, die Qualität der Betreuung der Foren variiert jedoch sehr stark und ist für spezielle Rückfragen oft zu behäbig. Einige Fächer bieten erweiterte Lernunterlagen wie z.B. Videos und jedes Fach hat eine lange Liste empfohlener Sekundärliteratur, aber diese Literatur ist “unverdaubar”, da schlicht zu umfassend zum Auswendig-Lernen.

    Aktualität: Ein weitere Druckpunkt (gerade in eher qualitativen Fächern wie Marketing) ist die fehlende Aktualisierung der Lerninhalte. Im Schnitt werden die Unterlagen nur alle 3-6 Jahre aktualisiert und bisweilen auch nur unzureichend.
    Richtigkeit: Schlimmerweise enthalten einige Subject-Guides (gerade in Buchführung) auch noch Fehler, die Lerner verunsichern. Hier hilft es enorm, wenn man sich über das Forum der UoL in großen Whatsapp-Gruppen zum gemeinsamen Austausch zusammenfindet und so gemeinsam Aufgaben und Rechenwege besprechen kann. Diese Whatsapp-Gruppen zum gemeinsamen Austausch bzgl. Lerninhalte würde ich als mit wichtigstes Asset zum Lernen bezeichnen.
    Akademischer Anspruch: Den eher mauen Unterlagen zum Trotz sind die Examen eher anspruchsvoll und die Notengebung ist streng. Dies lassen auch die veröffentlichten Zahlen vermuten: Die UoL hat für 2015 die Notenverteilungsskala ihrer Fernstudenten veröffentlicht. Im Schnitt haben weit mehr als 50% der Studenten mit einem lower second oder schlechter abgeschlossen. Wohlgemerkt sind in dieser Statistik auch die Studenten enthalten, die dieses Studium in Vollzeit mit Unterstützung von Lehrern absolvieren (siehe oben). Demgegenüber steht die Notenverteilung der Präsenzstudenten der LSE (lässt sich googlen) von unfassbaren +75% Prozent und allgemein in Großbritannien von über 85%. Will heißen: Während Recruiter weltweit mindestens ein 2:1 als Einstellungskriterium voraussetzen, arbeitet man sich an diesem Fernstudium ab, ohne eine gute Chance auf ein 2:1 zu haben. Gerade als Arbeitnehmer in Europa.

    Zusammengefasst: Wer es nicht schafft, über 3-4 Jahre (mindestens alle 2 Tage 1 Stunde und am Wochenende 4-8 Stunden) neben der Arbeit zu lernen, bei dem stehen die Chancen auf einen “guten” Abschluss schlecht. Eine Alternative ist, dass man sich über 3 Jahre jedes Jahr für 2-3 Monate freistellen lässt und dann dem berüchtigten “Bulimie-Lernen” vor den Examen frönt.. Stressfrei ist diese Methode allerdings auch nicht. Ich kenne viele Kommilitonen aus Deutschland, die an diesem Studium verzweifelt sind, weil a) der Partner/ die Partnerin irgendwann nicht mehr mitgespielt hat und/ oder b) der Arbeitgeber kein Verständnis für die Situation hatte und/ oder c) das Studium sich in die Länge zog (aus 3 geplanten Jahren wurden 4-6). Kurz: Man braucht lückenlose Rückendeckung durch Parter/in, Arbeitgeber und eine hohe Portion Disziplin.
    Sämtliche Abläufe sind behäbig. Hat man Probleme oder Fragen, die Kommilitonen nicht beantworten können sondern nur das Personal der Universität, muss man ein Online-Ticket erstellen, das oft über Wochen unbeantwortet bleibt.

    FAZIT:

    Man muss genau wissen, worauf man sich einlässt. Die UoL “einfach mal nebenher” zu absolvieren, ist ein Unterfangen, das gnadenlos (!) scheitern wird. Die weitestgehend fehlende Betreuung, die reduzierte Verfügbarkeit von hilfreichen Lern-Unterlagen, der starke Wettbewerb aus Asien und die strenge Notengebung erfordern ein sehr hohes Maß an Eigeninitiative bei Studenten. Der Aufwand, um das Studium in 3 Jahren zu absolvieren, beträgt mindestens 1 Stunde/ 2 Tage + c.a. 8 Stunden am Wochenende + idealerweise eine Freistellung von einem Monat in der Examensphase. Diese Anforderungen muss man klar mit Partner und Arbeitgeber und Familie besprechen. Hält man diese Zeitvorgaben nicht ein, hat man meines Erachtens keine Chance auf eine gute Note und läuft Gefahr a) das Studium in die Länge zu ziehen und/ oder b) mit schlechter Note abzuschließen.

    PS: 2 wichtige Hinweise für diejenigen, die sich zum Studium an der UoL entschließen:

    1) Unbedingt in Whatsapp-Study-Groups eintreten über das Online-Forum des jeweiligen Faches

    2) Probe-Klausuren aus den vergangenen Jahren rauf und runter üben – damit mindestens 6 Wochen vor dem Examen anfangen, besser 8 Wochen vorher

    Disclaimer: Dieser Erfahrungsbericht bezieht sich auf ein wirtschaftswissenschaftliches Bachelor-Studium and der UoL mit der LSE als Lead-College.

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